| By: |
Knips, Julian;
Wernick, Christian;
Lachmann, Menessa Ricarda |
| Abstract: |
Der flächendeckende Glasfaserausbau in Deutschland stellt eine große
finanzielle Herausforderung für die ausbauenden Unternehmen dar. Neben dem
initialen Ausbau, für den in den kommenden Jahren Investitionen in
zweistelliger Milliardenhöhe benötigt werden, wird auch die Nachverdichtung
bestehender Netze, die größtenteils als Homes Passed ausgebaut wurden, mehrere
Milliarden Euro an Investitionsmitteln erfordern. Finanzierungsmöglichkeiten
und -konditionen rücken vor diesem Hintergrund zunehmend ins Zentrum der
Diskussionen innerhalb der Glasfaserbranche. In einer sowohl
gesamtwirtschaftlich, als auch branchenspezifisch anspruchsvollen
Gesamtsituation findet sich eine Reihe von Marktteilnehmern in der Situation
wieder, investive Mittel für Refinanzierungen sowie die Fortführung
bestehender und die Initiierung neuer Projekte einwerben zu müssen. Die
Herausforderungen, die sich aus dem gestiegenen Zinsniveau und der
Zurückhaltung von Investoren im Hinblick auf Investitionen in den
Glasfaserausbau ergeben, betreffen nicht alle Unternehmen bzw.
Unternehmensformen in gleichem Umfang. Große börsennotierte Unternehmen, die
sich insbesondere über Anleihen finanzieren, sind weniger zinssensibel und oft
langfristig finanziert. Zudem finanzieren sie sich bei entsprechender Bonität
im Branchenvergleich relativ günstig und können über Anleihenplatzierungen am
öffentlichen Kapitalmarkt Mittel von einer Vielzahl von Investoren
akquirieren. Stadtwerke und Energieversorger sind in ihren
Glasfaseraktivitäten von den Problemen zwar betroffen, jedoch erscheint der
Erhalt von Finanzierungen hier als nicht übermäßig kritisch. Als
diversifizierte Unternehmen mit oftmals stabilen Cashflows können sie in der
Regel Unternehmensfinanzierungen in Anspruch nehmen und haben im Falle von
Stadtwerken einen öffentlichen Sicherheitengeber im Hintergrund. Hier steht
der kapitalintensive Glasfaserausbau allerdings in einer
Mittelverwendungskonkurrenz zur Finanzierung der Energie- und Wärmewende, was
die Finanzierungsbedingungen perspektivisch erschweren könnte. Kritisch kann
sich die Situation für investorenfinanzierte Unternehmen darstellen. Da ihr
Fremdkapital meist aus Projektfinanzierungen stammt, sehen sie sich mit
deutlich kürzeren Kreditlaufzeiten und höheren Zinsen als börsennotierte
Unternehmen oder Stadtwerke und Versorger konfrontiert. Einige von ihnen
müssen aktuell zusätzlich ihre initialen Darlehen aus den späten 2010er Jahren
refinanzieren. Während das gestiegene Zinsniveau für die Glasfaserunternehmen
als exogener Schock angesehen werden kann, liegt die Zurückhaltung der
Fremdkapitalgeber, insbesondere im Bereich der Projektfinanzierung, nicht
ausschließlich, aber in hohem Maße an der Kombination aus (zu hohen)
Ausbaukosten und (zu niedrigen) Take-up-Raten bzw. Cashflows. Mutmaßlich sind
die tatsächlichen Zahlen in vielen Fällen schlechter als die den
Businessplänen zugrundeliegenden Annahmen. Sollten Investoren, sowohl im
Eigen- wie auch im Fremdkapitalbereich, noch zurückhaltender werden, droht
eine Negativspirale: Höhere Take-up-Raten in den HPAusbaugebieten, die die
Finanzierung erleichtern bzw. die Zinsen reduzieren würden, bedingen
Kapitalzuflüsse für Nachverdichtungs- und Vermarktungsmaßnahmen, so dass sich
negative Effekte immer weiter zu verstärken drohen, wenn Unternehmen ihren
Ausbau ohne zusätzliche Mittel nicht vervollständigen können, Investoren aber
nur zusätzliche Mittel bereitstellen wollen, wenn sich die Geschäftszahlen der
Unternehmen wieder verbessern. All dies könnte die Ausbaudynamik im deutschen
Glasfasermarkt in den nächsten Jahren spürbar reduzieren, kurzfristig
insbesondere im Ausbau von Wettbewerbern. Mittelfristig könnte dies durch den
niedrigeren Wettbewerbsdruck aber auch eine Verlangsamung der
Ausbauaktivitäten der Deutschen Telekom nach sich ziehen. Im Ergebnis besteht
die Gefahr, dass die politisch definierten Breitbandziele verfehlt werden.
Risikoabsorbierende staatliche Maßnahmen, wie insbesondere Programme für
(Teil- )Bürgschaften oder eine Ausweitung ggf. nachrangiger Kreditmengen von
Förderbanken für Glasfaserprojekte, könnten helfen, die Finanzierungssituation
zu verbessern, bedürfen jedoch einer punktgenauen Ausgestaltung. Auch
Maßnahmen, die darauf ausgerichtet sind, die Take-up-Raten auf FTTH-Netzen zu
erhöhen und/oder die Ausbaukosten zu senken, können die
Finanzierungsmöglichkeiten der im FTTH-Ausbau engagierten Unternehmen
verbessern. Hierzu zählen z.B. eine klar geregelte, zeitnahe
Kupfer-Glas-Migration und die Beschleunigung und Digitalisierung von
Genehmigungsprozessen. |
| Abstract: |
The nationwide rollout of fibre networks in Germany poses a major financial
challenge for the companies involved. In addition to the initial rollout,
which will require investments in the double-digit billion euro range in the
coming years, the densification of existing networks, most of which were built
as homes passed, will also require several billion euros in funds. Against
this backdrop, financing options and conditions are increasingly becoming the
focus of discussions within the fibre industry. In a challenging overall
situation, both in terms of the economy as a whole and the industry
specifically, a number of market participants find themselves in a position
where they need to raise funds for refinancing, continuing existing projects
and initiating new ones. The challenges arising from higher interest rates and
reluctance of banks and other players to invest in fibre network expansion do
not affect all companies or types of companies to the same extent. Large,
publicly listed companies, which are financed primarily through bonds, are
less sensitive to interest rate changes and are often financed long-term. In
addition, if they have the appropriate credit rating, they can obtain
financing relatively cheaply compared to other companies in the sector and can
raise funds from a large number of investors by placing bonds on the capital
market. Municipal utilities and energy suppliers are affected by the problems
in their fibre activities, but obtaining financing does not appear to be
overly critical for them. As diversified companies with often stable cash
flows from other activities, they can usually take advantage of corporate
financing and, in the case of municipal utilities, have a public guarantor in
the background. However, capital-intensive fibre rollout is in competition
with the financing of the energy and heating transition to renewable sources,
which could make financing conditions more difficult in the future. The
situation can be critical for investor-financed companies. Since their debt
usually comes from project financing, they are faced with significantly
shorter loan terms and higher interest rates than listed companies or
municipal utilities and suppliers. Some of them currently have to refinance
their initial loans from the late 2010s. While the rise in interest rates can
be seen as an exogenous shock for fibre companies, the reluctance of lenders,
particularly for companies in need of project financing, is not exclusively,
but to a large extent, due to the combination of (excessively high)
rollout/build costs and (excessively low) take-up rates or cash flows.
Presumably, the actual figures are worse in many cases than the assumptions
underlying the business plans. If investors, both in the equity and debt
space, become even more cautious, there is a risk of a negative spiral: higher
take-up rates in the homes passed expansion areas, which would facilitate
financing and reduce interest rates, require capital inflows for densification
and marketing measures. Therefore negative effects threaten to intensify
further if companies are unable to complete their expansion without additional
funds, but investors are only willing to provide additional funds if the
companies' business figures improve. All of this could significantly reduce
the pace of rollout in the German fibre market in the coming years,
particularly in the short term with regard to expansion by competitors of the
incumbent. In the medium term, however, this could also lead to a slowdown in
Deutsche Telekom's expansion activities due to lower competitive pressure. As
a result, there is a risk that the politically defined broadband goals will
not be met. Risk-absorbing government measures, such as programmes for
(partial) guarantees or an expansion of subordinated credit volumes from
development banks for fibre projects, could help to improve the financing
situation, but would need to be designed with precision. Measures aimed at
increasing take-up rates on FTTH networks and/or reducing expansion costs can
also improve the financing options for companies involved in FTTH rollout.
These include, for example, a clearly regulated, timely copper-to-fibre
migration and the acceleration and digitisation of approval processes. |
| Keywords: |
Glasfaserkommunikation, Deutschland |
| Date: |
2025 |
| URL: |
https://d.repec.org/n?u=RePEc:zbw:wikdps:334505 |