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Die von Kate Raworth entwickelte Donut-Ökonomie markiert eine konzeptionelle
Wende in der Klimadebatte, indem sie das Ziel eines grünen BIP-Wachstums durch
ein vieldimensionales Verständnis von sozial-ökologischem Wohlstand ersetzt.
Kern des Ansatzes ist das visuelle Modell einer doppelten Grenze: Ein innerer
Ring definiert soziale Mindeststandards, während ein äußerer Ring die
ökologischen Belastbarkeitsgrenzen des Planeten markiert. Der daraus
resultierende „safe and just space“ dient als multidimensionaler Kompass für
eine regenerative und distributive Wirtschaft. In der Praxis wird dieses
Modell, koordiniert durch das Doughnut Economics Action Lab (DEAL), zunehmend
auf kommunaler Ebene – etwa durch Instrumente wie das „City Portrait“ – zur
Steuerung von Transformationsprozessen eingesetzt. Die Stärke des Konzepts
liegt in seiner hohen Anschlussfähigkeit und Kommunikationskraft, doch wird
kritisch angemerkt, dass die konzeptionelle Offenheit auch Risiken birgt. So
können hinter einer scheinbar objektiven Indikatorik handfeste Macht- und
Verteilungsfragen verschwinden, was die Gefahr einer Depolitisierung oder
eines rein symbolischen „Doughnut-Washings“ befördert. Letztlich erweist sich
die Donut-Ökonomie als wertvoller Orientierungsrahmen, dessen transformative
Wirkung jedoch maßgeblich von der politischen Konsequenz in der lokalen
Anwendung abhängt. |